Von der Idee einer Burschenschaft
Von der Organisation einer
Burschenschaft
Von Vor- und Nachteilen einer Burschenschaft
Eine Burschenschaft ist ein
Zusammenschluß von Studenten mit Zielen, die wir unter unserem Wahlspruch
"Ehre-Freiheit-Vaterland" zusammenfassen. Heute könnte man vielleicht diese
Begriffe, welche bereits im Jahre 1815 geprägt wurden, um heute alltägliche Worte, wie
Menschenwürde, Rechtsstaat, Selbstbestimmungsrecht der Völker erweitern. Sie klingen
zwar moderner, entspringen jedoch dem gleichen Gedankengut. Sie sind bereits im Kampf um
die Demokratie, den damals die burschenschaftliche Bewegung im gesamten deutschsprachigen
Raum auslöste, entstanden. Diese moralische Anforderung an ihre Mitglieder, sowie die
politische Aufforderung an Gesellschaft und Mitmenschen unterscheiden Burschenschaften
grundlegend von allen anderen Studentenverbindungen.
Das wichtigste Ziel innerhalb einer
Burschenschaft ist es, eine Gemeinschaft, den sogenannten "Lebensbund" zu
bilden, was nichts anderes bedeutet als lebenslange Freundschaft unter den Bundesbrüdern.
Diesem Streben nach Gemeinsamkeit aller Bundesbrüder, gleich welchen Alters, welcher
Fakultät oder parteipolitischen Ausrichtung, ist alles zugeordnet: das Tragen von
Bändern als Zeichen der Verbundenheit, ein eigenes Verbindungshaus als Treffpunkt, die
Pflege alter Bräuche und das Fechten zur Stärkung der Gemeinschaft. Jeder, der dazu
gehört, kann mit der Unterstützung seiner Bundesbrüder rechnen.
Burschenschaft und Zeitgeist
Manchmal ist es nicht erstrebenswert,
sich nach dem Zeitgeist zu richten, dies erfuhren und erfahren wir beispielsweise an
unserer klaren Haltung zur Deutschen Teilung. Die Ziele der Einheit und Freiheit des
deutschen Volkes sowie der Freundschaft sind zeitlos. Um den Zusammenhalt und somit die
Wirksamkeit des Handelns zu stärken, pflegen wir Gemeinsamkeiten und Traditionen. Wer
über mehrere Generationen eine Brücke schlagen will, kann weder allein der Mode von
heute noch der von gestern entsprechen. Bei allem traditionellen Gerüst ist jedoch nicht
zu vergessen, daß der Bund lebt, und daß er geleitet wird von jungen, aktiven Studenten,
die genauso von der heutigen Welt geprägt sind, und in ihr leben wie jeder andere Student auch.
Über die Burschenschaft Gothia
Trotz staatlicher Verbote im Dritten
Reich, geht die Geschichte der Burschenschaft Gothia bis 1861 zurück. Die heutige Gothia
entstand nach dem Zweiten Weltkrieg, als sich die alte Burschenschaft Germania (gegründet
1861) und die alte Burschenschaft Gothia (gegründet 1890 als Verein deutscher technischer
Hochschüler "Gothia") 1952 zusammenschlossen. Heute umfaßt die Burschenschaft
Gothia etwa 60 Mitglieder.
Freundschaft
im Bundesleben
Die Burschenschaft kann zunächst nur
die Bereitschaft, das Bemühen um Freundschaft von ihren Mitgliedern verlangen. Mit der
Überreichung des Bandes ist noch keine Freundschaft hergestellt; aber die Offenheit der
Bundesbrüder wird erwidert: das Bundesleben bietet viele Anknüpfungspunkte. Durch die
Vielzahl und Verschiedenheit der Mitglieder, sowie durch den Nachwuchs ist garantiert,
daß man immer wieder neue Freundschaften knüpfen kann.
Die
politische Ausrichtung
Die politische Grundhaltung der
Burschenschaft Gothia läßt sich aus den Richtlinien der Deutschen Burschenschaft
(Dachverband) und der eigenen Satzung herleiten:
Sie fordert Einsatz der Bundesbrüder
für Demokratie und Gerechtigkeit. Die Burschenschaft braucht zu ihrer freien Entfaltung
einen funktionierenden Rechtsstaat. An dessen Vollendung mitzuwirken, ist sowohl jedes
Mitglied, als auch die Burschenschaft in ihrer Gesamtheit, angehalten. Das große
übergreifende Ziel bleibt jedoch stets die Vollendung der Einheit des deutschen Volkes im
geistig-kulturellen Sinne. Dies schließt ein österreichisches Selbstbewußtsein
keineswegs aus. Die Freiheit des Einzelnen, sowie das Selbstbestimmungsrecht der Völker
sind folglich weitere Säulen unseres Selbstverständnisses. All dies bildet den
gemeinsamen Nenner aller Bundesbrüder, für welchen jeder Einzelne bereit ist
einzutreten; die Schwerpunkte, die man dabei setzt, bleiben jedem selbst überlassen;
auch, welcher Partei man angehört oder den Vorzug gibt. Partelpolitisch nämlich ist die
Burschenschaft keineswegs festgelegt und begrüßt intelligente Anstöße von allen
Seiten.
Von der Organisation einer Burschenschaft
Die Leitung des Bundes obliegt
hauptsächlich den Aktiven, d.h. die am Ort studierenden Bundesbrüder. Sie bilden
zusammen ein Gremium, den Convent, dem natürlich auch inaktive Bundesbrüder und Alte
Herren angehören. Dieser Convent ist das bestimmende Organ der Burschenschaft, wobei
jedes Mitglied, vom jungen Burschen bis hin zum Alten Herrn über das gleiche
Mitspracherecht verfügt. Bei dieser wöchentlichen Versammlung wird über alle, den Bund
betreffende Belange demokratisch entschieden. Am Beginn eines jeden Semesters werden die
Amtsträger neu gewählt: der Sprecher, welcher den Bund "leitet" und
repräsentiert, der Fechtwart, der für den Fechtbetrieb verantwortlich ist, der
Schriftwart der für den Schriftverkehr zuständig ist und der Fuxmajor, der die jungen
Bundesbrüder betreut.
Grundlegende Angelegenheiten werden
einmal im Jahr, unter verstärkter Teilnahme der Altherrenschaft, auf dem Allgemeinen
Convent geregelt.
Wie wird man bei der Burschenschaft
Gothia aktiv?
Wer sich für Gothia interessiert,
muß, um aktiv werden zu können, neben der allgemeinen Bereitschaft und der Freude an der
Gemeinschaft noch einige besondere Bedingungen mitbringen: Zunächst muß er Student einer
Wiener Universität und deutscher Volkszugehörigkeit sein (österreichischer oder
bundesdeutscher Staatsbürger oder Altösterreicher, Auslandsdeutscher); desweiteren darf
er den Wehrdienst nicht verweigert haben, weil er sich dadurch in Widerspruch zu seiner
Bereitschaft setzt, für die Demokratie notfalls mit der Waffe in der Hand einzutreten.
Sind diese Voraussetzungen erfüllt, muß er noch vom Convent als Fux angenommen werden.
Während der Fuxenzeit, die in der
Regel zwei Semester dauert, lernt der neue Bundesbruder den Bund von innen kennen. Die
Fuxenzeit dient als Probezeit für beide Seiten. Nach dem Schlagen einer Fuxenmensur,
sowie dem Ablegen einer Burschenprüfung erfolgt durch die entsprechende Zustimmung des
Convents die endgültige Aufnahme als Bursche in den "inneren Verband" der
Burschenschaft.
Der
Bursch
Die aktiven Burschen bilden den Kern
der Verbindung, sie leiten die Organisation des Verbindungslebens und sind dem Convent
verantwortlich. Das "Aktiv-sein", welches sich aus Fuxen- und Burschenzeit
zusammensetzt, erstreckt sich über mindestens vier Semester. Diese Dauer ist notwendig um
zum einen stets eine Mindestzahl an aktiven Burschen zu stellen; zum anderen benötigt ein
jeder diese Zeit, um seine Ideen und Vorstellungen zu verwirklichen.
Der
inaktive Bursch
Nach der Zeit als aktiver Bursch
tritt man etwas zurück, um im Bund den jüngeren Platz zu machen. Man behält sämtliche
Rechte, hat aber nicht mehr so viele Pflichten. So ist es auch dem Inaktiven möglich sich
gänzlich der Beendigung des Studiums zu widmen.
Der
Alte Herr
Wer sein Studium beendet hat und ins
Berufsleben eingestiegen ist, wird Alter Herr. Folglich darf man das "alt" nicht
zu wörtlich nehmen. Die Alten Herren sind verpflichtet, nach Maßgabe ihrer
Möglichkeiten den Bund ideell und materiell zu unterstützen. Sie helfen den jungen in
Studium und Beruf und finanzieren den Aktivenbetrieb und die Erhaltung des Hauses, wodurch
das preiswerte Wohnen in den dortigen Studentenzimmern überhaupt erst möglich wird.
Bin ich zu alt um Fux zu werden?
Dies ist keine Frage des Alters
sondern der Persönlichkeit und der Neigungen. Natürlich muß sich der neu aufgenommene
Bundesbruder von anderen einweisen und sich viele Dinge erklären lassen. Eine sowohl
anpassungsfähige als auch eigenständige und unabhängige Persönlichkeit, wie wir sie
von Bundesbrüdern erwarten, hat damit keine Probleme. Das korporative Leben dient
natürlich auch dazu, seine Persönlichkeit selbst zu formen und zu festigen. Außerdem
sei angemerkt, daß es ja keine Hierarchie in Form von unbedingtem Gehorsam gibt, dies
widerspräche der Idee der Burschenschaft und der des Freundeskreises. Der Fux ist kein Untergebener, sondern ein zu
gewinnender Freund.
Kann man nur im ersten Semester aktiv
werden?
Früher hat jeder Student inskribiert,
studierte dann - mal mehr, mal weniger - lustig vor sich hin und meldete sich irgendwann
zur Diplomprüfung. Die heutigen Studiengänge sind aber fast alle so aufgebaut, daß vom
ersten Semester an Leistungsnachweise verlangt werden. Oft wird am Anfang sogar hart
gesiebt, und erst später kommt die lockere Zeit. In jeder Phase hat das Studium Vorrang
vor den Verpflichtungen des Aktivenlebens. Die Erfahrung zeigt, daß man so in jedem
Semester, sogar noch als Doktorand aktiv werden kann. Dennoch: die Regel und vielleicht
immer noch das Beste ist: gleich am Anfang des Studiums.
Auskunft über unsere Aktivitäten
geben am besten die Semesterprogramme. Neben dem Lernen für das Studium, sei es alleine
oder mit Bundesbrüdem, spielen auch die gemeinsamen Fechtstunden eine wichtige Rolle.
Außerdem gibt es selbstverständlich immer etwas zu feiern: neue Bundesbrüder,
Prüfungen, Semesteranfang, Semesterende, den wöchentlichen Stammtisch, oder etwa ein
spontanes Grillfest. Coleurreisen, Ausflüge und Treffen mit Alten Herren kommen dazu,
ebenso gesellschaftliche Höhepunkte, wie beispielsweise der Ball des Wiener
Korporationsrings.
=> Bilder und Graphiken: Coleurreise
nach Heidelberg
Aber gerade Vortrags- und
Diskussionsabende, die sogenannten Burschenschaftlichen Abende, gehalten von eingeladenen
Referenten oder Bundesbrüdem, Seminare über Rhetorik, Politik u.ä., sowie gemeinsame
Theater- und Konzertbesuche stellen einen besonderen Beitrag zur Erziehung und Ausbildung
junger Menschen dar, den die heutigen Universitäten nicht mehr vermitteln (können). Alle
Veranstaltungen wollen natürlich ausgedacht und vorbereitet sein. Das erfordert Phantasie und
Durchsetzungsvermögen, Zeit- und Arbeitseinsatz. Aber das Organisieren macht ebenfalls
Spaß und ist überdies äußerst lehrreich. Daß Frauen, Freundinnen und Freunde überall
dabei sind, versteht sich von selbst. Ausgenommen
sind die Convente und das Fechten, sowie einzelne "Kneipen" (dies ist eine
traditionelle Form der Zusammenkunft von Bundesbrüdem und korporierten Gästen). Das
Zentrum des Verbindunglebens ist unser Gothenhaus in der Schlösselgasse 12.
=> Bilder und Graphiken: Gothenhaus
Das studentische Fechten.
Manche zählen es zu den Opfern,
andere haben ihre Freude daran. Das Fechten von Mensuren, welches eine alte studentische
Tradition ist, verlangt von jedem Selbstüberwindung; es manifestiert die Bereitschaft,
sich für die Ziele und Ideen seines Bundes und somit seiner selbst einzusetzen. Durch das
"Pauken", das Trainieren des Fechtens miteinander, die gegenseitige
Unterstützung vor, während und nach der Mensur vermittelt es eine Gemeinsamkeit des
Erlebens, die zum Zusammenhalt im Bund wesentlich beiträgt. Im übrigen hält eine
Gemeinschaft, in der jeder eine solche Hürde zu überwinden hat, stärker zusammen und
verbindet mehr als irgendein Verein, der nur pünktliche Beitragszahlung fordert.
Unsere Art des Fechtens ist mit dem Sportfechten nicht vergleichbar. Die
Mensur ist ein traditionsreicher studentischer Zweikampf, sie wird nur mit Mitgliedern
anderer Verbindungen und keinesfalls untereinander ausgetragen. Sie wird mit scharfer
KIinge gefochten, gerade auch deshalb ist Sicherheit oberstes Gebot. Der Schlägerbrauch
(d.h. das Regelwerk) legt fest, daß beide Fechter ohne Bewegung von Körper und Kopf fest
an einem Platz stehen. Augen, Gehörgänge, Hals, Arme sowie der Körper sind sorgfältig
geschützt. Durch diese strengen Bestimmungen ist die Trefferfläche eng begrenzt und die
Gefahr ernsthafter Verletzungen äußerst gering.
Das Hauptaugenmerk liegt nicht
darauf, dem Gegner möglichst viel Schmisse (Verletzungen) zuzufügen sondern auf der
Bewältigung einer schwierigen Situation und damit das Einstehen für die eigenen Ziele
und Ideale sowie für den Bund im Gesamten. Jeder Fechter soll nach seinen Möglichkeiten
in Technik und Tempo in der Mensur zeigen, was er beim Pauken gelernt hat. Dies ist in einer derartigen Streßsituation alles
andere als einfach. Dem Gegenpaukanten kann man "bloß" überlegen sein, siegen
jedoch kann man nur über sich selbst. Entscheidend ist nicht nur, daß, sondern auch wie
gut man ficht. Es verlangt höchste psychische und physische Selbstbeherrschung. Dadurch
wird es auch für den Einzelnen zu einer sehr lehrreichen Erfahrung.
Von jedem Bundesbruder werden zwei
Mensuren verlangt: eine Fuxen- und eine Burschenmensur. Gepaukt wird regelmäßig mehrmals
die Woche. Dies ist deshalb erforderlich, weil das studentische Fechten eine gewisses
Mindestmaß an Technik und Kondition verlangt.
=> Bilder und Graphiken: Pauken
Was muß man dafür investieren?
Engagement für den Bund in jeder
Situation, auch wenn uns gegenwärtig der Wind der Zeit entgegenweht. Interesse für den
anderen; Zeit, um den anderen kennenzulernen und Freundschaften aufzubauen. Motivation ist
gefordert, der Wille im Bund mitzuarbeiten, Verantwortung zu übernehmen und den Bund auch
im eigenen Sinne zu prägen.
Wo soll ich die Zeit hernehmen?
Der Tag hat für jeden nur 24
Stunden. Wer aktiv leben und seine Zeit nutzen will, muß sie sich einteilen. Immer, wenn
man etwas Neues anfängt, muß sich die Zeiteinteilung neu einspielen. So merkt man bereits während der Fuxenzeit, ob
einem das gelingt, und ob das "Aktiv-sein" soviel Freude bereitet, daß von
Zeitopfer nicht mehr gesprochen werden kann. Wer aber in seinem bisherigen Tagesablauf
festgefahren ist und sich keinesfalls stören lassen will, der sollte sich eingestehen,
daß er in einer Burschenschaft kaum glücklich werden kann.
Leidet das Studium?
Nein. Wer dazu neigt, seine Zeit zu
verbummeln, der tut dies auch (und wir meinen: erst recht) ohne Verbindung. Wer
zielstrebig studiert, der kann dies auch bei einem zusätzlichen Engagement, sei es in
einer Partei, in einem Verein oder eben in einer Burschenschaft. Wer neben dem Studium
keine anderen Interessen verfolgt, der hat nicht begriffen, daß die Studienzeit eine
unwiederbringliche Zeit ist, die nicht nur der Ausbildung im Fach, sondern auch der
Bildung als Persönlichkeit dient. Der humorlose Fachidiot scheint uns so nutzlos wie der
ewige Student. Wir wollen weder die Scheuklappen des Strebers noch die Richtungslosigkeit
des Bummlers. Wir wollen Freunde, die etwas leisten. Wie der Einsatz für den Bund und
seine Ziele, wie das Fechten, so erwarten wir auch angemessene Leistungen im Studium,
damit man sagen kann: es hat sich in jeder Hinsicht gelohnt.
Wir wollen Interesse wecken, uns
näher, am besten persönlich kennenzulernen, um uns in unvoreingenommener Kritik den
vielen noch offenen Fragen zu stellen. Wir wollen Mut machen, mit uns Kontakt aufzunehmen.
Wir freuen uns über jeden Gast. Wir drängen niemanden, aktiv zu werden, denn das wäre
widersinnig. Aber wir möchten jeden
kennenlernen, der sich für uns interessieren könnte. Wir bieten jedem, der zu uns passen
könnte, an, den Versuch einer Probezeit als Fux zu wagen; oder aber einfach nur mal
vorbeizukommen, um die Leute kennenzulernen, die diese Schrift verfaßt haben.